Erntebräuche (Spreewälder Erntedank)
Die Erntebräuche im Spreewald können auf eine lange Tradition zurückblicken und enthalten viele Elemente sorbischen und wendischen Ursprungs. Nachdem einiges schon fast in Vergessenheit geraten war, hat die Pflege und Ausübung der uralten Bräuche in jüngster Vergangenheit einen großen Aufschwung erlebt.
Hahnrupfen (Kokot)
Dieser Erntebrauch ist nichts für empfindsame Gemüter, auch wenn er jetzt nicht mehr das blutige Gemetzel frührer Zeiten darstellt, als man einen lebendigen Hahn maltretierte. An den Querbalken einiger mit Girlanden geschmückten Pforte wird ein toter Hahn gehängt, dem die Flügel und der Kopf vorher angeschnitten worden waren. Nun versuchen die Burschen während des schnellen Durchreitens der Pforte Flügel, Kopf oder andere am Balken angebrachte Preise zu erwischen. Derjenige, der den Kopf zu fassen bekommt, wird zum König gekürt. Die Eroberer der beiden Flügel werden zum 2. und 3. Sieger ausgerufen. Die drei Ersten, geschmückt mit Eichenlaubkränzen, zum Teil auch mit Geschenken bedacht, dürfen sich mit verbundenen Augen je ein Mädchen erwählen, mit dem sie am Abend das Tanzbein schwingen.Kranzreiten
An verschiedenen Orten findet zur Erntezeit an Stelle des Hahnrupfens ein Kranzreiten oder Kranzstechen statt. Hierbei wird statt des Hahnes ein Kranz an den Querbalken des Girlandengeschmückten Gestells befestigt. Mehr oder weniger geschickt versuchen die Reiter, den Kranz mit einer Mistgabel auszuheben.
Stollenreiten
Das Stollenreiten ist ein Flachbahnrennen hoch zu Ross über ein größeres Stoppelfeld. Es findet zur Erntezeit traditionell an einem Sonntag statt. Der Name leitet sich daher ab, dass seit alters her Stollen der Preis für das Wettreiten waren. Die Stollen wurden von den Mädchen gebacken und in Seidentücher gewickelt. Im Laufe der Zeit entwickelte sich dieser Brauch immer mehr zu einem Sportwettkampf mit Volksfestcharakter. Umrahmt wird das Stollenreiten von einem bunten Treiben im ganzen Dorf. Nach dem Kirchgang finden z.B. Reigen- oder Bändertänze sowie Trachtenumzüge statt. Am Nachmittag beginnen die Reitwettbewerbe. Die besten erringen geschmückte Stollen und kunstvoll gebundene Eichenlaubkränze, die letzten kämpfen um die Tabakspfeife. Begleitet werden all die Festlichkeiten von Blasmusik. Den Abschluss der Erntebräuche der Dorfjugend bildet immer ein zünftiger Tanzabend.
Junggesellenkarren
Nicht nur Wettkämpfe unter den Burschen werden ausgetragen, sondern es finden auch Mädchenwett-streitigkeiten statt. Diese sind meist sehr unterhaltsam für Teilnehmerinnen und Publikum. Die Mädchenspiele bestehen aus Junggesellenkarren und Topfschlagen. Beim Jung-gesellenkarren wird ein Junggeselle auf eine Karre gesetzt. Diese Schubkarre wird nun von den Mädchen in Tracht um die Wette auf einer vorher festgelegten Wegstrecke hin und zurück geschoben. So mancher Junggeselle macht dabei einen unfreiwilligen Abgang, sehr zur Belustigung der Zuschauer.
